Wochenende in Bodenmais

Das erste Wochenende nur ich und mein Sohn und in einer fremden Stadt. Das konnte ja nur was werden. Ich hatte mich vorab überhaupt nicht informiert was dort angeboten wurde oder was man so machen konnte oder sollte, wir lassen uns gerne mal überraschen und sehen was passiert.

Nachdem ganzen Stress dieser Woche war am Freitagabend ein Dorffest in Bodenmais. Alle Geschäfte hatten bis 22 Uhr auf, ein Flohmarkt und verschiedene Imbissstände waren vorhanden. Desweiteren war Live Musik auf dem Dorfplatz. Wir, ich, mein Sohn und noch drei Frauen und deren Kinder sind gemeinsam losgezogen und haben das Dorf unsicher gemacht. Den einen oder anderen aus der Kurklinik erkannte man und es war eine Menge los. Gegen 21 Uhr haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Normalerweise gilt für alle Kids bis 12 Jahre ab 21 Uhr Nachtruhe. Aber in diesem Fall haben Sie mal eine Ausnahme gemacht.

Samstag in Bodenmais

Am Samstag hatten wir noch nichts vor und liessen den Tag erstmal auf uns zukommen. Da das Schwimmbad im Haus wegen Reinigungsarbeiten geschlossen war spielten wir nach dem Frühstück Fussball auf dem Bolzplatz, der um diese Zeit noch teilweise im Schatten lag. Da aber niemand dazukam und es zu zweit dann langsam langweilig wurde machten wir uns auf den Weg zurück. Mein Sohn fand dann schnell seine Freunde und wo die waren konnten die Mütter von Ihnen und meine Gesprächspartner nicht weit sein. Also unterhielt ich mich mit den Müttern die nachmittags ins Freibad wollten und mir anboten meinen Sohn mitzunehmen. Was ich auch dankend annahm da mir das zu heiß war und ich ja nicht ins Wasser darf.

Nach dem Mittagessen sollte es sein, ich richtete die Tasche und gab meinen Sohn ab. Jetzt war ich also wieder alleine, alle anderen waren ausgeflogen und die wenigen die da waren kannte ich noch nicht. Aber das machte mir nichts, da es eh zu heiß für mich war um mich draußen aufzuhalten blieb ich auf dem Zimmer. Kurze Zeit später stand dann mein Sohn und ein Vater vor der Türe. Eine Wespe hatte ihn gestochen, zum erstenmal in seinem Leben. Der Schock saß tief, der Stich war aber erstklassig versorgt worden, erst von den Müttern, dann vom Bademeister und zu guter letzt noch von einer Krankenschwester im Haus von der er auch Cortisonsalbe und ein Kühlkissen bekommen hatte. Das war sein Ausflug ins Freibad, ein Wespenstich im Daumen als Erinnerung. Diese Wespen und Bienen waren überall in Bodenmais, bei uns im Zimmer kamen auch immer welche zu Besuch wenn wir die Türe offen hatten, kein Wunder schlußendlich das einer von uns mal gestochen wurde.

Er schaute dann erstmal eine Kindersendung im Fernsehen und als es zum Abendessen ging war der größte Schmerz schon vorbei. Nach dem Essen machten wir uns gemeinsam auf den Weg um Minigolf zu spielen, für ihn das erste mal und für mich seit meiner Kindheit auch. Wir hatten beide viel Spaß und liessen den Abend beim Eisessen in einem Eiscafe ausklingen bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Sonntag in Bodenmais

Am Sonntag sind wir dann erst um halbacht Uhr aufgestanden, haben gemeinsam gefrüchstückt und dann Pläne für den Tag geschmiedet. Die, die das Infoblatt aufmerksam durchgelesen hatten, dazu zähle ich mich nicht, fuhren nachmittags mit dem Bus zu einer Rodelbahn.
Wir haben den Vormittag getrennt voneinander verbracht, er bei einem Freund und ich bin mit dem Auto weggefahren. Einer Frau ihr Mann war zu Besuch und sie haben mich gefragt ob ich mit wolle in die Tschechei um etwas einzukaufen. Geld hatte ich zwar keines aber mal schauen was denn so angeboten wird wollte ich schon.
Pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder auf dem Hof, denn es sollte wieder ein heißer Tag werden. Da ich niemanden finden konnte der meinen Sohn mit ins Freibad nehmen wollte sind wir dann losgezogen zum Bimmelbahn fahren mit dem Ziel Silberberg und Sommerrodelbahn.
Der Sessellift war schon eine Herrausforderung beim ersten Ausstieg, dort wusste ich noch nicht das sie den Lift auch verlangsamen können. Da ich schlecht springen kann und der Lift in seiner Geschwindigkeit weiterfährt ist es mir gerade noch so gelungen auf die Seite zu humpeln. Was soll`s, ist ja gut gegangen. Mein Sohn rodelte einmal und ich bin dann wieder von der Mittelstation ins Tal gelaufen. Das hat mich schon angestrengt, bergab schlendert mein Fuß manchmal unkontrolliert in der Gegend herum und ich muss mich konzentrieren wie und wo ich ihn aufsetze.

Unten angekommen wartete mein Sohn bereits ungeduldig auf mich, war ja klar. Er mit dem Rodel braucht vielleicht eine Minute und ich brauche zwanzig?
Also sind wir mit der nächsten Fahrt auf den Gipfel gefahren. Oben angekommen mussten wir erst noch den Gipfel erklimmen, ein Bergpfad von etwa 150m war noch zu erobern. Dort hatten wir einen herrlichen Ausblick auf Bodenmais und die Umgebung. Zurück zur Bergstation fuhren wir dann auch mit der Sesselbahn.

Unten angekommen warteten wir noch zehn Minuten auf die Bimmelbahn um unsere Rundfahrt durch Bodenmais fortzusetzen die nach ca. einer Stunde und zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Ortes Bodenmais wieder am Rathaus beendet wurde.

In der Klinik angekommen haben wir zu Abend gegessen und ich habe dann die Therapiepläne für uns an der Rezeption abgeholt, während mein Sohn mit seinen Freunden spielte. Als ich die Therapiepläne genauer betrachtet habe war mir klar das ich hier nicht glücklich werde. Trotz aller Befunde die ich im Vorfeld geschickt habe und zahlreichen Emails die Teils unbeantwortet blieben hatte ich „nur“ 5 Anwendungen die Woche während mein Sohn den ganzen Tag im Wald verbringen sollte. Dazu später noch mehr.

Das Wochenende war vorbei und ich werde die schönen Erinnerungen daran behalten und mich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.

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Veröffentlicht von

Marcel

Astrozytom WHO III ED: 13.04.2012 OP: 03.05.2012 NW: Epilepsie, Hemiparese/Spastik rechts Nicht verstrahlt, 3 Zyklen Chemo, Geistheiler, Qui-Gong, Physio

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