Auf zur Reha

Am 30. Juni ist es soweit, um 7.30 Uhr steht das Taxi vor der Türe und bringt mich zur REHA in die Schmieder Klinik nach Gerlingen.
Gegen 9 Uhr sind wir angekommen, angemeldet und dann werde ich zur Station gebracht. Dort wird mir ein Zimmer zugewiesen das ich mit einem älteren Herrn teile der einen Schlaganfall hatte.

Aufnahmeuntersuchung? Fehlanzeige!
Ich darf nicht weg solange die Ärztin mich nicht untersucht hat, das dauert nicht lange, ist mehr oberflächlich und dann kommt die Aussage: “Sie wissen warum Sie hier sind? Wir müssen Sie sofort in die Klinik nach Stuttgart verlegen um Sie dort zu operieren!”
Ich bin erstmal geschockt aufgrund soviel Inkompetenz und kläre sie auf, das ich bereits operiert wurde, der Tumor so weit wie es möglich war entfernt wurde und das es nicht möglich ist noch einmal zu operieren da die Gefahr besteht das ich rechtseitig gelähmt bleibe. Und das will ich auf gar keinen Fall. Der Tag hat es wirklich in sich, ich überlege lange ob dies der richtige Ort ist um meine Hemiparese behandeln zu lassen. Letztendlich bin ich zum Entschluss gekommen es hier erst einmal zu probieren.
Am nächsten Tag habe ich schon die erste Anwendung, Krankengymnastik. Ich laufe immer noch an Gehhilfen durch die Gänge und muss mich erst mal zurechtfinden. Da die Anwendungen zum größten Teil auf dem gleichen Stockwerk liegen ist es nicht schwer das Behandlungszimmer zu finden. Ich werde erstmal genau gemustert, von oben bis unten gecheckt, was geht und was nicht. Und dann ist die Zeit auch schon vorbei. Hmm, ich hab schon wieder so komische Gedanken ob das die richtige Entscheidung war.
Aber ich werde eines besseren belehrt, dies machen alle Therapeuten mit den Patienten um zu sehen wo genau die Defizite liegen und dann eine Behandlungsstrategie auszuarbeiten. Ich bin echt überrascht wie schnell es geht und ich, nur an einem Walkingstock das Gleichgewicht haltend, den gesamten Gebäudekomplex durchlaufe. Auch das Schreiben klappt schon wieder einigermaßen und der Arm gesundet auch sehr schnell, bis auf ein paar Feinmotorische Kleinigkeiten.

Erste Anzeichen von Epilepsie
Am zweiten Wochenende darf ich erstmals “Heimaturlaub” machen und freue mich darauf, geht auch alles gut, ein Freund fährt mich zurück zur Klinik und kaum auf dem Parkplatz angekommen fängt mein rechter Arm an zu zucken und ich bin einen “kurzen Augenblick” nicht bei Bewusstsein. Als ich wieder zu mir komme sehe ich schon den ersten Pfleger auf mich zukommen der fragt ob alles OK ist. Nichts ist OK, ich bin kurz “bewusstlos” gewesen und weiss nicht warum. Ich habe auch keine Kraft in den Beinen so das ich alleine laufen kann. Also werde ich kurzer Hand in den Rollstuhl verfrachtet und zurück auf Station geschoben. Aber was war das????

Die Ärztin schaut erst am Abend vorbei und solange herrscht Ungewissheit bei mir, aber auch bei Ihr. In der darauffolgenden Woche habe ich noch zwei weitere Anfälle. Sie veranlasst ein MRT um das abzuklären. Das dauert immerhin 4 Tage dann liege ich wieder in der Röhre und weitere 4 Tage bis sie sich die Bilder anschaut. Das Ergebnis lässt sich nicht erkennen, wahrscheinlich ein epileptischer Anfall. Aha! Kein Wort darüber was das bedeutet. Und so sitze ich morgens vor dem hauseigenen PC und muss mich selbst informieren. Sie geben mir nach Rücksprache mit einem Neurologen Keppra, 1000-0-1000, damit soll ich klarkommen. Und dann fängt auch schon der erste Zyklus meiner Chemotherapie an, Temodal nach Schema 5/28. Das heißt 5 Tage Chemo dann 28 Tage Pause und das ganze soll ich 6 mal machen. Die Tabletten bekomme ich von einer Schwester, erst Zofran gegen die Übelkeit und dann Temodal. Keine Aufklärung wie ich das einzunehmen habe oder wann. Ich also ins Schwesternzimmer und mir den Beipackzettel geben lassen, selbst durchgelesen und mich dann, wohl oder übel, darauf eingelassen.

Mein Fazit:
Soviel zur ärztlichen Betreuung in der Reha, aber ich bin ja auch nicht deshalb hier und die Therapeuten leisten wirklich beste Arbeit.
Nach 3 Wochen werde ich auf eine andere Abteilung verlegt in der sich die Patienten selbst versorgen und nicht rund um die Uhr betreut werden. Komisch, ich hab das von Anfang an gemacht. Ich kann mich alleine anziehen, duschen, essen, ….. Warum erst jetzt?
Egal, ich bin sowieso rund um die Uhr bei irgendwelchen Therapeuten, Physio, Ergo, Schreibtraining, Feldenkrais, Gleichgewichtsgruppe, Massage, Armzirkeltraining, ….
Die ärztliche Betreuung und das Pflegepersonal ist miserabel das gleichen jedoch die Therapeuten aus wenn man nicht ans Bett gefesselt ist. Trotzdem entscheide ich mich nach 6 1/2 Wochen die REHA zu beenden da der 2. Zyklus Chemotherapie ansteht und ich nicht alleine bei Nacht im Zimmer sein will wenn etwas passiert. Ich komme nach Hause.
Alles in allem hat mich die REHA ein gutes Stück weiter gebracht, aber vom Ziel das ich wieder arbeiten gehen darf bin ich noch Meilenweit entfernt.

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Veröffentlicht von

Marcel

Astrozytom WHO III ED: 13.04.2012 OP: 03.05.2012 NW: Epilepsie, Hemiparese/Spastik rechts Nicht verstrahlt, 3 Zyklen Chemo, Geistheiler, Qui-Gong, Physio

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