Freitag, 13.April, 2.Akt

Es war Freitag, 13. April nachmittags, so gegen 16 Uhr als ich wieder erwachte. Ich öffnete die Augen und sah ein Zimmer, wo war ich? Dreh meinen Kopf zur Seite und sehe einen Mann im Krankenbett, typische Krankenhausaustattung inklusive. Aber wieso? Warum? Ein leises „Hallo“ huscht über meine Lippen, mein Kopf dröhnt, und mein Hallo wird vom Bettnachbarn erwidert. Er drückt auch gleich den Knopf und kurz darauf steht eine Schwester an meinem Bett und fragt mich ob alles in Ordnung ist.

Aber bei mir ist nichts intakt, ich weiss nicht wo ich bin und warum ich hier bin und überhaupt dröhnt mein Kopf zu allem Überfluss auch noch.
Sie sagte mir das ich in der Dr. Horst Schmider Klinik in Wiesbaden bin und ich soll liegen bleiben und sie werde ein Schmerzmittel holen und dem Oberarzt Bescheid sagen. Kurze Zeit später, oder auch wenn es eine halbe Stunde war, ich weiß es nicht so genau, jedenfalls kam Sie zurück mit Schmerzmittel. Wie lange war ich Bewusstlos will ich wissen und sie erzählt mir ein wenig.

Das ich bei der Arbeit einen Status epilepticus hatte und der Notarzt mich ins Koma legen musste. Mehr konnte oder wollte Sie mir nicht sagen und ich sollte warten bis der Doktor kommt um alles mit mir zu besprechen. Das kann ja heiter werden denke ich mir. Dann kam die Schwester wieder und sagte mir das der Doktor gleich kommen würde.

Das Gespräch mit dem Doktor

Dr. xy tritt ins Zimmer und bittet den Bettnachbarn kurz rauszugehen, nimmt sich einen Stuhl und setzt sich zu mir ans Bett. Er hat eine Akte dabei und schlägt diese auf seinem Schoss auf.
Dann klärt er mich auf: Der Status epilepticus ist ein Krampfanfall, ich soll mir das so vorstellen das die Nervenbahnen im Gehirn verrückt spielen. Der Notarzt konnte den Anfall trotz hoher Dosen von Benzodiazepinen nicht durchbrechen und musste mich daher ins Koma legen. Dann wurde ein CT vom Kopf gemacht und sie haben „Veränderungen“ entdeckt die sie aber so nicht zuordnen konnten. Also mussten sie auch ein MRT machen und sahen eine Raumforderung, links frontal bis hochfrontal, die ca. 7,2 x 4,8 x 5,6 cm groß war. Sprich da war etwas wo eigentlich nichts sein sollte.

Und jetzt???

Man müsste das ganze dringend operieren! So dringend das am Montag gleich weitere Untersuchungen anstehen und nächste Woche dann die OP.
Ok, das geht mir ein bisschen zu schnell! Das ganze Gespräch hat ca. 10 Minuten gedauert und ich war gar nicht in der Lage etwas zu fragen, ausser ob ich das Bett verlassen dürfte. „Selbstverständlich“, bekam ich zur Antwort. Denn ich hatte keinerlei Einschränkung oder Anzeichen das da etwas ist oder passierte.

Gedankenspielerei

Ich muss dringend raus aus dem Krankenhaus an die frische Luft, meine Gedanken spielen Achterbahn. Ich muss erst mal einen klaren Gedanken fassen und rufe dann meine Frau an. Sie sagt das sie Bescheid wisse was passiert ist und das sie morgen vorbeikommt um mir Kleider zu bringen. Ich weiß nicht mehr wie lange das Gespräch gedauert hat aber danach wusste ich das ich mich nicht unterkriegen lassen werde, von nichts und niemandem!

Think positiv, ich habe bisher auch alles erreicht was ich wollte!

Aber dann kreisten die Gedanken wieder wirr umher….was ist wenn?….und wie?…und wann?….und überhaupt?….. Ich saß noch eine ganze Weile draussen im Park und lies die Gedankenspielerei zu. Bis es fast dunkel war und ich mich wieder auf die Station begeben habe um den Schwestern nicht unnötig Kummer zu bereiten. Den Abend habe ich mit sinnlosem TV verbracht um mich zumindest ein wenig auf andere Gedanken zu bringen. Dies funktionierte nicht wirklich und so ließ ich den Gedanken die Oberhand.

Samstag, 14. April

Ich habe die halbe Nacht nicht geschlafen und bin dementsprechend total fertig da ich meine Gedankenspielerei nicht so beenden konnte wie ich gerne wollte. Aber ich freue mich schon auf meine Frau und kann es nicht erwarten sie zu sehen. Als sie gegen 11 Uhr vorfährt bin ich natürlich vor der Klinik, in voller Arbeitsmontur, ich hab ja nichts anderes anzuziehen, und umarme sie erstmal ganz lange. Dann haben wir uns ausgetauscht wie wir denn weiter vorgehen wollen. Ich hab Ihr von den Plänen des Dr. xy erzählt und sie war der gleichen Meinung wie ich! Ich werde mich hier und nächste Woche definitiv nicht einer OP unterziehen die mit ungewissem Ergebnis verläuft. Sie muss nun wieder nach hause zu den Kindern, da sie so kurzfristig niemanden finden konnte der das für sie übernimmt. Ich werde so schnell wie möglich nach hause kommen um dort das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir verabschieden uns und sie fährt dahin. Ich bin wieder alleine.

Ich teile unsere Entscheidung der Schwester mit und sie soll den Arzt verständigen. Dieser kommt dann noch Nachmittags und wir besprechen was zu besprechen ist und ich dachte das ich dann Sonntagfrüh spätestens gehen darf. Doch Pustekuchen, er möchte mir dringend davon abraten da dies eine ganz Ernst zu nehmende Sache sei und er noch weitere Untersuchungen für Montag angesetzt habe und ausserdem muss das ein anderer Arzt entscheiden ob ich Entlassen werden darf. Dieser ist natürlich im Wochenende und nicht erreichbar. Also gut, denke ich mir, wenn sie es so wollen können sie es haben. Das Wochenende war ich nun auch in der Klinik festgesetzt.

Montag, 16.April

Computertomograf
An diesem Tag sollten also weitere Untersuchungen stattfinden und ich war schon gespannt. Es dauerte aber erstmal eine ganze Zeit lang bis sich jemand bei mir meldete und mich mitnahm zum Elektroenzephalografie (EEG), Gehirnströme messen. Und gleich danach ging es wieder ins CT. Wie lange dies genau dauerte weiß ich nicht mehr, aber das war´s vorerst mal und ich sollte auf meinem Zimmer warten bis der Arzt mit den Ergebnissen kommt. Na toll, das war´s also gewesen? Deswegen sollte ich unbedingt bleiben?Der Arzt kam nachmittags vorbei und hat mit mir die Ergebnisse von den Untersuchungen besprochen. Im EEG ist nichts auffällig und im CT keine Veränderung im Vergleich zum Freitag. Ich sage ihm dann nochmals das ich gerne gehen möchte und er rät mir wieder ab. Aber letztendlich, nachdem ich ihm die Umstände erklärt hatte, sagt er das wenn ich das auf eigene Verantwortung mache er auch einsichtig ist. Also unterschreibe ich den Schrieb das ich auf eigene Verantwortung nach hause gehen darf. Der Rest des Tages hab ich dann zur freien Verfügung da sie erst den Entlassungsbericht schreiben müssen und das wohl heute nichts mehr wird. Ich muss noch eine Nacht hier bleiben.

Dienstag, 17.April

Ich hab die Nacht wieder nicht gut geschlafen und mir sind die Gedankenspiele nicht aus dem Kopf gegangen. Daher bin ich froh das es morgen wird und ich den Entlassungsbericht entgegennehme um mich dann auf den Heimweg zu machen. Allerdings lassen sich die Ärzte bis um 10 Uhr Zeit und dann wird mir der Brief von einer Krankenschwester überbracht. Ich verabschiede mich von allen und wünsche Ihnen eine gute Zeit bevor ich die Klinik verlasse. Dann geht´s endlich nach hause zu meiner Familie!

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Veröffentlicht von

Marcel

Astrozytom WHO III ED: 13.04.2012 OP: 03.05.2012 NW: Epilepsie, Hemiparese/Spastik rechts Nicht verstrahlt, 3 Zyklen Chemo, Geistheiler, Qui-Gong, Physio

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